Philboards Philippinen Foren: Lebt wohl, geliebte Wesen! - Philboards Philippinen Foren

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Lebt wohl, geliebte Wesen!

#1 Mitglied ist offline   raiges 

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Geschrieben 26 February 2010 - 11:26

25. Februar 2010 Juan lebt. Aber María ist tot. Er ist im Himmel, sie nicht. Maria ist selbst schuld, Juan hat es sich verdient. Die beiden waren ein frommes, verliebtes, philippinisches Bauernehepaar und sind viel mehr als das. Sie sind die Archetypen eines Landes zwischen Himmel und Hölle, Glück und Schmerz, Tragik und Schönheit.

Diese Zeilen leiten einen "etwas melacholischen" Artikel der Frankfurter Allgemeine ein, der die Philippinen fast schon etwas mitleidig darstellt.
So ungefähr, Mensch was wäre das für ein Land, wenn, ja wenn....
Oder lese ich das falsch?

Lebt wohl, geliebte Wesen!
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#2 Mitglied ist offline   Dieter7777 

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Geschrieben 04 March 2010 - 18:34

Beitrag anzeigenraiges sagte am 26 February 2010 - 11:26:



Diese Zeilen leiten einen "etwas melacholischen" Artikel der Frankfurter Allgemeine ein, der die Philippinen fast schon etwas mitleidig darstellt.
So ungefähr, Mensch was wäre das für ein Land, wenn, ja wenn....
Oder lese ich das falsch?



Der interessante Artikel zeigt meiner Meinung nach genau die Punkte oder man kann auch sagen, die kulturellen Unterschiede auf, denen wir Mitteleuropäer oft verständnislos gegenüberstehen.

Zitat

Doch warum sind sie immer nur Matrosen, nie Kapitäne, immer nur Krankenschwestern, nie Ärzte, immer nur Hauspersonal, nie Hausbesitzer? Und warum sind die philippinischen Popgruppen, die in jedem besseren Hotel Asiens die Charts herauf- und herunter spielen, immer nur Popstarimitatoren, aber niemals Popstars?
Man sucht eine Antwort und findet keine, während man durch das Land fährt und dabei von frommen Wünschen begleitet wird wie von einer Schutzengelarmee. Alle paar Kilometer spannt sich ein Bogen über die Straße, auf dem "Vaya con Dios", "Vivat Jesus" oder "God bless you! Come again!" steht. Und noch viel öfter sieht man Kirchen aller Couleur, römisch-katholische, evangelikalisch-apokalyptische, katholisch-schismatische wie die "Iglesia filipina independiente", eine machtvolle Abspaltung von Rom, die alle Regeln des Vatikans befolgt außer dem Zölibat. Und wieder wundert man sich: Warum gibt es hier einen so gewaltigen Bedarf an göttlichem Beistand? Warum suchen die Bewohner eines so schönen, gesegneten, fruchtbaren Landes derart inbrünstig Trost im Jenseits?


Selbst wenn man als ausländische Beobachter meistens nur den beruflichen Status der "Unterschicht" registriert, auch in der Oberschicht scheint es kaum charismatische Personen in Kultur, Wissenschaft, Politik oder Sport zu geben. Woran liegt's?

Vernachlässigt es der Großteil der Bevölkerung etwa, "mit seinen Talenten zu wuchern" um nach oben zu kommen, weil das Streben eher darauf ausgerichtet ist, Verdienste für das Jenseits zu sammeln? Ich denke eher nein. Zwar sind die Kirchen stets voll, aber nach meiner Erfahrung wird bei einem großen Teil der Bevölkerung der Glaube doch relativ locker praktiziert, wenn auch die katholische Kirche nicht gerade ein "Hort des Fortschritts" ist.

Zitat

Und so kühlt Imelda den Tyrannenleib im Garten seines Familienstammsitzes in einem monströsen Mausoleum, das längst zur Pilgerstätte der Marcos-Anhänger geworden ist. Ihnen heuchelt der Präsident auch zwanzig Jahre nach seinem Tod noch das Blaue vom Himmel. Sein Leben werde er für den Kampf gegen Korruption, Gier und Gewalt geben und allen Versuchungen des Luxus widerstehen, so steht es auf riesigen Tafeln zur Verherrlichung eines Mannes, der seinem Volk zehn Milliarden Dollar stahl und dessen Frau dreitausend Paar Schuhe im Schrank hatte. Und niemand reißt die Tafeln von der Wand, aus Empörung und Wut, mit dem Schrei der Gerechtigkeit.


Ich denke, dass nicht alle, aber viel zu viele Philippiner (der erlebbaren Mittel- und Unterschicht) kein, oder nur wenig politisches Interesse haben. Und das deutet m. E. auf eine ganz andere Ursache, die vielleicht der Schlüssel auch für die eingangs gestellte Frage sein kann. Liegt es am philippinischen Bildungswesen? Werden die Menschen in den Schulen, den Universitäten und bei der Ausbildung nicht zu kenntnisreichen, kritischen und mündigen Menschen/Staatsbürgern erzogen? Wir haben im vergangenen Jahr einige Schulen besucht. Das ist sicherlich nicht repräsentativ, aber mein Eindruck war, dass die Lehrkräfte (auch in Privatschulen) nur ungern mit den Schülern diskutieren. Wer mündige Bürger will, muss sicherstellen, dass solche auch erzogen werden, selbst wenn das für die Lehrkräfte unbequemer ist. Eine in jeder Beziehung starke Bevölkerung mag für die Regierenden vielleicht unbequem sein, ist aber für die Zukunftschancen eines Landes das beste Kapital.

Zitat

Einer zeigt das Titelblatt der "Manila Times" vom 21.Juli 1969. "Heute Mondlandung" ist dort ziemlich klein zu lesen, weil sehr, sehr groß darüber an Aufmacherstelle vermeldet wird, dass Fräulein Gloria Díaz, ihres Zeichens philippinische Schönheitskönigin, gerade zur Miss Universe gekürt worden ist. Was für ein sympathisches Land, denkt man sich unter seinem Baldachin, während man sich von den Wellen des Südchinesischen Meeres in den Schlaf singen lässt, dem die menschliche Schönheit wichtiger ist als das Herumhopsen auf dem Erdtrabanten.


Das erinnert mich an die vielen Bevölkerungsberieselungs - Shows, die in der Mittagszeit an allen Fernsehern auch in der kleinsten Bambushütte gezeigt werden. Mit dieser Dauerberieselung stellen sich dann solche Effekte ein, die dann dazu führen, dass eine Schönheitskönigin wichtiger ist, als die gravierendsten wissenschaftlichen oder politischen Ereignisse auf unserem Planeten.

Zitat

Das eigenartige Gefühl, in einem Lateinamerika auf der falschen Seite des Pazifiks zu sein, wird man in Manila nicht mehr los. Der apokalyptische Verkehr dieser Siebzehn-Millionen-Menschen-Stadt, der nur mit dem Fatalismus und der Duldsamkeit eines katholischen Landes zu ertragen ist, so wie das ganze Leben dieses Volkes, das öfter um seine Chancen betrogen wurde als jedes andere in Asien, wie ein kluger Mann einmal schrieb


Vielleicht ist das ja der Schlüssel zur Antwort. Ein Fatalismus, der aus der sicherlich nicht einfachen Geschichte der Philippinen in Kombination mit einem eher autoritären und teilweise nicht leistungsfähigen Schulsystem begründet ist, gestärkt durch geistesabstumpfendes Berieselungsfernsehen, wobei die überwiegend konservativ ausgerichtete Religion der Bevölkerung eher den Blick auf das Jenseits richten läßt, als hier hart an erforderlichen Änderungen zu arbeiten?

Dieter.
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#3 Mitglied ist offline   URi 

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Geschrieben 05 March 2010 - 07:39

Beitrag anzeigenDieter7777 sagte am 04 March 2010 - 18:34:

Zitat

Einer zeigt das Titelblatt der "Manila Times" vom 21.Juli 1969. "Heute Mondlandung" ist dort ziemlich klein zu lesen, weil sehr, sehr groß darüber an Aufmacherstelle vermeldet wird, dass Fräulein Gloria Díaz, ihres Zeichens philippinische Schönheitskönigin, gerade zur Miss Universe gekürt worden ist. Was für ein sympathisches Land, denkt man sich unter seinem Baldachin, während man sich von den Wellen des Südchinesischen Meeres in den Schlaf singen lässt, dem die menschliche Schönheit wichtiger ist als das Herumhopsen auf dem Erdtrabanten.


Das erinnert mich an die vielen Bevölkerungsberieselungs - Shows, die in der Mittagszeit an allen Fernsehern auch in der kleinsten Bambushütte gezeigt werden. Mit dieser Dauerberieselung stellen sich dann solche Effekte ein, die dann dazu führen, dass eine Schönheitskönigin wichtiger ist, als die gravierendsten wissenschaftlichen oder politischen Ereignisse auf unserem Planeten.


Nicht, dass ich Deinem Post nicht zustimmen möchte, aber das oben geschriebene hat mich an eine Titelseite eines großen Deutschen Boulevard-Blattes (das mit den 4 Buchstaben) erinnert.
Die komplette obere Hälfte mit der Trunkenheitsfahrt der Frau Käßmann und unten rechts ganz klein, dass der DAX gefallen und die Infaltion, sowie die Arbeitslosenzahlen gestiegen ist. Soviel zur Interessenlage der Leserschaft, die, obwohl niemand die BILD liest, das Auflagenstärkste Blatt ist... Eingefügtes Bild
Sind wir also so viel anders?
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